A A A
Nazis, Hass und Gewalt im deutschen Fußball PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 05. August 2009 um 13:21 Uhr

Monika Lazar, Sprecherin für Strategien gegen Rechtsextremismus der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen

Fußball ist die beliebteste Sportart in Deutschland. Allein in Sachsen sind über 125.000 Menschen in knapp 1.000 Vereinen organisiert. 5.800 sächsische Mannschaften treten Woche für Woche gegeneinander an. Doch immer wieder werden SpielerInnen und Fans Opfer von diskriminierenden Äußerungen und Gewalt.

Es ist zu beobachten, dass sich gewalttätige Übergriffe, Hassgesänge und Unterwanderungsversuche der extremen Rechten vermehrt auf die unteren Ligen konzentrieren. Hier fehlt es oftmals an professioneller Fansozialarbeit, Sicherheitsinfrastruktur und einer breiten Fanszene, die sich gegen die Unterwanderung von Rechtsaußen zur Wehr setzen könnte.

Als Reaktion auf die Gewalteskalationen der 1980er Jahre wurde das „Nationale Konzept Sport und Sicherheit" entwickelt. Obwohl der weitaus größte Teil der StadionbesucherInnen friedlich ist, werden ZuschauerInnen häufig pauschal als Sicherheitsproblem gesehen. Der Grundsatz der Unschuldsvermutung wird mitunter durch unzumutbare Einschränkungen der Bürgerrechte ersetzt. So mussten sich bei der UEFA-Cup-Partie zwischen Schalke 04 und Paris Saint-Germain in Gelsenkirchen die französischen Anhänger in aufgestellten Kabinen vor den Augen des Sicherheitspersonals komplett entkleiden, um so das Mitführen von Feuerwerkskörpern zu verhindern. Angesichts solcher Methoden fühlen sich manche Fans in nachvollziehbarer Weise an Kontrollen an der deutsch-deutschen Grenze vor 1989 erinnert.

Auch die Praxis der Verbunddatei „Gewalttäter Sport" steht zu Recht in der Kritik. Die Dauer der Speicherung ist viel zu lang, Auskunfts- und Löschansprüche sind unbefriedigend. Mitunter stehen Personen in dieser Datei, obwohl gegen diese keinerlei konkrete Vorwürfe oder Verdachtsmomente vorliegen. Es kann ausreichen, in einem Reisebus zu einem Auswärtsspiel zu fahren, in dem einzelne GewalttäterInnen sitzen, und schon ist man unter Umständen in dieser Liste vermerkt und muss in Zukunft mit Einschränkungen, zum Beispiel der Reisefreiheit, rechnen.

Wir brauchen eine gesamtgesellschaftliche Strategie, um den Problemlagen im Fußball gerecht zu werden. Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat daher in den vergangenen Monaten eine Tour mit dem Titel „Rote Karte für Gewalt und Intoleranz" durchgeführt. Stationen waren Leipzig/Halle, Hamburg, Jena/Erfurt, Gelsenkirchen und Berlin. Dort wurden Fanprojekte und Vereine besucht und Runde Tische mit VertreterInnen der Vereine, Fanszenen, Polizei, Sicherheitsdiensten und Politik organisiert.

Die gesammelten Erfahrungen sind im Antrag „Alle Formen von Diskriminierungen thematisieren - Bürgerrechte von Fußballfans stärken - Für einen friedlichen und integrativen Fußballsport" (16/12115) formuliert und für die Vorbereitung weiterer Tourstationen in der kommenden Legislaturperiode sehr wichtig.

 
RocketTheme Joomla Templates